Medikamente: Regierung will stärker gegen Engpässe vorgehen

Deutsche Apotheken klagen weiterhin über anhaltende Lieferengpässe bei vielen Medikamenten. Deutsche Apotheken klagen weiterhin über anhaltende Lieferengpässe bei vielen Medikamenten.

Deutsche Apotheken klagen weiterhin über anhaltende Lieferengpässe bei vielen Medikamenten.

Quelle: Waltraud Grubitzsch/dpa

In Deutschland kommt es häufig zu Engpässen bei Medikamenten – darunter Fiebersirupe für Kinder, Hustensaft oder Blutdruckmittel. Nun will die Bundesregierung eingreifen.

dDie Bundesregierung will verstärkt gegen Lieferengpässe bei Medikamenten vorgehen. Geplant sind Änderungen im Vergaberecht, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Berlin sagte. Ziel ist es, die Lieferketten breiter zu gestalten, um die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern zu verringern. Die Situation ist trotz bestehender Instrumente für alternative Präparate bei Engpässen unbefriedigend.

Minister Karl Lauterbach (SPD) sagte dem ARD-Hauptstadtstudio mit Blick auf Gesetzesvorhaben, Krankenkassen sollten nicht länger gezwungen werden, Medikamente und Wirkstoffe dort einzukaufen, wo sie am günstigsten sind. Es sei nicht so, “dass wir versuchen, ein paar Cent an Wirkstoffen zu sparen, aber dann die Versorgung der Bevölkerung riskieren”.

Zuletzt kam es bei vielen Medikamenten erneut zu Lieferengpässen in den Apotheken – darunter Fiebersäfte für Kinder, Magensäureblocker, Hustenbonbons und Blutdruckmittel. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) begründete die angespannte Lage mit großem Kostendruck. Um Geld zu sparen, setzen Hersteller auf asiatische Produktion. Fallen Chargen aus oder verzögern sich Transporte, hat das Konsequenzen für das Angebot vor Ort.

Die Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nannten es wichtig, dass die pharmazeutische Industrie alle Medikamente, einschließlich Fiebersirup, wieder zuverlässig liefere. Doch es bleibe ein großes Fragezeichen, ob internationale Konzerne wirklich Produktionsprozesse umstellen, nur weil in Deutschland höhere Preise gezahlt werden, sagte der Sprecher des Dachverbandes GKV, Florian Lanz, der Deutschen Presse-Agentur. Ein einfacher Mitnahmeeffekt kann fatal sein: “So höhere Preise in Deutschland, höhere Gewinne der Pharmaindustrie zu Lasten der Beitragszahler, aber die Lieferung von Medikamenten ist genauso unzuverlässig wie vorerst.”

Bei Medikamenten gibt es in Deutschland immer wieder Engpässe. Sie sind lästig für Apotheken, weil sie Alternativen zu Arzneimitteln finden oder diese teilweise selbst herstellen müssen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte listet mittlerweile rund 300 Meldungen über Lieferengpässe auf – bei rund 100.000 zugelassenen Arzneimitteln. Es gibt Alternativen zu vielen knappen Medikamenten. Ein Versandengpass sei nicht zwangsläufig auch ein Versorgungsengpass, betonte die Behörde.

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