Fußball – Kimmichs Kindheitstraum – “Bereit, an Grenze zu gehen” – Sport

Al-Shamal (dpa) – Joshua Kimmich traf sich schnell mit Niklas Sule zu einem kurzen Gespräch. Anschließend führte das ambitionierte Mittelfeld mit konzentriertem Blick und geschwollenen Wangen das letzte Training vor dem Japan-Test in Al-Shamal unter der sengenden Morgensonne durch.

Seine Zeitgenossen Sule und Leon Gorecka, alle 27, stellten sich beim Aufwärmen in einer kleinen Gruppe hinter ihm auf. Die riesige Sauerei rund um den One-Love-Verband hat die Bayern-Profis nachdenklich gemacht, sollte sie aber nicht bremsen. Das machte Kimmich vor Beginn des Turniers der Fußball-Nationalmannschaft gegen Japan deutlich.

“Natürlich wurde das in unserem Team besprochen”, sagte Kimmich bei einer Pressekonferenz in einem riesigen Medienzentrum in Doha. Er war überrascht, dass die bunte Bandage, die wenige Wochen zuvor noch als unzureichend und „verrückt“ bezeichnet worden war, als Symbol der Meinungsfreiheit plötzlich so wichtig wurde.

„Wir sind alle Feuer und Flamme, wir wollen alle gewinnen“

Dem Team ist durchaus bewusst, dass auch in Katar moralische Werte demonstriert werden müssen. Aber jetzt geht es um Sport. Über “Kindheitstraum”. Nicht mehr und nicht weniger. „Ich habe das Gefühl, Sie werden davon überzeugt, dass Sie sich nicht darauf freuen können. Darauf freue ich mich“, sagte Kimmich. “Wir sind alle Feuer und Flamme, wir wollen alle gewinnen”, sagte er.

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Daher sollten die „One Love“-Debatte und die große Fußballpolitik ignoriert werden. Die WM in Katar, so umstritten sie auch sein mag, ist für Kimmich und seinesgleichen nach so vielen Turnierenttäuschungen vielleicht die größte, wenn nicht die letzte Chance auf den größten Titel mit der Fußballnationalmannschaft. „Seit wir arbeiten, haben wir es einfach nicht geschafft, seit 2018 war es nicht mehr gut“, sagte der 27-Jährige.

Der Sieg beim Konföderationen-Pokal 2017 in Russland wurde 1995/96 registriert. Danach folgten nur noch Enttäuschungen. Selbstkritik war nie Kimmichs Problem. Sein mitunter feuriger Ehrgeiz dürfte diesmal der entscheidende Antrieb sein. Nach der EM 2021 flossen im Wembley-Stadion im 1/8-Finale gegen England (0:2) die Tränen. Im Khalifa International Stadium in Doha muss Katars erster sportlicher Glücksmoment gegen Japan kommen.

Die Lese der Kimmich-Trauben ist sehr „konzentriert“.

Kimmich trägt als Klassensprecher seiner Generation im Mittelfeld zwischen den Altmeistern Manuel Neuer (36) und Thomas Müller (33) sowie den Teenagern Jamal Musiala (19) und Yusufah Mukoko (18) eine besondere Verantwortung. Bundestrainer Hansi Flick garantierte ihm und Kapitän Manuel Neuer lediglich eine Startelf. Die Lese der Kimmich-Trauben ist sehr „konzentriert“. Und „immer bereit, an die Grenzen zu gehen“.

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Bei der WM 2018 scheute Bundestrainer Joachim Löw einen konsequenten Generationswechsel, der auch einige seiner Konföderationen-Pokal-Helden brüskierte. Fünf Jahre nach dem gewonnenen WM-Erlebnis in St. Petersburg stehen noch acht Spieler von damals im aktuellen WM-Kader. Acht DFB-Profis in Katar sind ebenfalls 1995 oder 1996 geboren und stehen womöglich auf dem Höhepunkt ihrer Fußballerkarriere.

„Ich habe ihm gesagt, dass ich mit 27 Jahren Verantwortung für meine zweite WM übernehmen möchte“, sagte Sule im Gespräch mit Flick. Die Zeit dieser Generation ist gekommen, auch wenn Katars Zeit bei den Gastgebern miserabel ist.

Bei der Vergabe der WM war Kimmich 15 Jahre alt

Katars Leiden endeten vor zwölf Jahren, als zwei Dutzend FIFA-Funktionäre unter Führung von Franz Beckenbauer dem Emirat den Zuschlag erteilten. Kimmich, Goretzka, Serge Gnabry, Sule und Leroy Sane, der das Spiel gegen Japan wegen Knieproblemen verpasste, waren damals C- und B-Jugendspieler. „Ich war 15 Jahre alt und jetzt muss ich mich hier äußern, ich weiß nicht, ob das gerechtfertigt ist“, sagte Kimmich. Jetzt tut es weh, nach der Nation benannt zu werden.

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Kimmich ist eine feste Größe in Flicks WM-Plänen. An eine Rückkehr auf den rechten Flügel wie 2021 ist aus taktischer Notwendigkeit nicht zu denken. Erstmals darf er bei einem großen Turnier auf seiner Lieblingsposition Mitte spielen. „Was mir sehr gut gefällt, ist, dass man immer ein Teil des Spiels ist“, sagte Kimmich.

Nach dem Gewinn der Champions League mit Bayern München im Jahr 2020 sagte er, er wolle “eine Ära prägen”. Zwangsläufig kommen die Vergleiche rund um Bastian Schweinsteiger mit der goldenen Generation, die viele gescheiterte Titelanläufe brauchte, um sich ein Jahr nach dem Gewinn der Königsklasse mit dem FC Bayern München zur WM 2014 in Rio zu krönen. Flick erinnerte auch an eine mögliche Parallele. „Die Generation von damals war genauso heiß“, sagte der Bundestrainer.

© dpa-infocom, dpa:221122-99-615621/4

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