Fotoausstellung in Susch – Diese Selfies aus den 80ern gehen unter die Haut – Kultur


Komposition

Die Schweizer Künstlerin Hannah Villiger fotografierte in den 80er und 90er Jahren immer wieder ihren Körper. Eine neue Ausstellung zeigt: In seinen Arbeiten nahm er den Alltag im Zeitalter von Smartphones, Selfies und sozialen Netzwerken vorweg.

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„Hannah Villiger: Überrasche mich“ – der Titel der Ausstellung im Unterengadiner Museum Susch basiert auf einem Tagebucheintrag der Künstlerin: „étonne moi“ – überrasche, überrasche mich.

„Es ist wirklich das, was diese Werke für uns Zuschauer tun“, sagt Mitschöpferin Madeleine Shuppley. Zusammen mit Yasmin Afshar hat er im Susch Museum die größte Retrospektive von Hanna Villiger seit über zehn Jahren zusammengestellt.

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Skulpturen aus Polaroids

Hannah Williger, ausgebildete Bildhauerin, hat ihre Werke als Skulpturen und ihren Körper als „skulpturales Objekt“ bezeichnet.

„Aus irgendeinem Grund war er schon immer ein Bildhauer“, sagt Shuppley. „Er arbeitet mit dem Material seines Körpers auf kraftvolle dreidimensionale Weise. Er versucht, die Größe des Körpers, der Gliedmaßen zu bekommen. Statt mit Hammer und Meißel schuf er seine Skulpturen mit einer Polaroidkamera.

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weiße Wand drei Polaroids von Gesicht, Ohren und Füßen links, drei Polaroids eines Frauenkörpers rechts

Legende:

Die Künstlerin Hannah Villiger zeigte mit ihren Fotografien die Einzigartigkeit des Körpers.

Nachlassfonds Hanna Villiger / Kunstmuseum Luzern

Was ihn an diesem Tool beeindruckte, war die Unmittelbarkeit. Shuppley beschreibt den Arbeitsstil von Hannah Villiger: „Sie drehte Film für Film, bis sie sich schließlich entschied zu drehen. Die ausgewählten Polaroids drehte und kombinierte er beliebig, bevor er sie schließlich vergrößerte: Die so abgebildeten Körperfragmente wurden zu einer neuen Einheit.

Weit entfernt vom Schönheitsideal

Es ging nicht um ihren Körper. Sie wollte die allgemeine Ebene erreichen: “Mein Körper wird durch viele Fotos zu einem beliebigen Körper”, sagte Hannah Villiger. Er wollte die Wahrheit sagen, keine ästhetischen Aussagen.

Ein weiß getünchtes Zimmer mit Holzboden.  Auf der Rückseite der Wand hängt ein großes Gemälde aus sechs Polaroids, die Leichen vor schwarzer Farbe zeigen

Legende:

Auch Hannah Villiger beschäftigt sich in ihren Fotografien mit der Haut als Schnittstelle zwischen Innen- und Außenwelt.

Nachlass Hannah Villiger / Kabinett J. Herzog und P. de Meuron

Ihn interessierte weniger die klassische Porträtfotografie als traditionelle weibliche Schönheitsideale. Stattdessen habe Hannah Villiger versucht, den Strukturen des Körpers auf den Grund zu gehen, vermutet Madeleine Shuppley. „Ihre Arbeit hat etwas Intimes, aber auch etwas Sinnliches – und gleichzeitig etwas Kaltes, Fernes.“

Ein Pionier wiederentdeckt

Hannah Williger war Zeit ihres Lebens sehr erfolgreich in ihrer Arbeit. Seine Werke wurden in vielen Ausstellungen in der Schweiz und in ganz Europa gezeigt, darunter im Schweizer Pavillon auf der Sao Paolo Biennale 1994.

Er starb 1997 im Alter von 45 Jahren an Herzversagen. Kurz vor seinem Tod schuf er Polaroids, die, wie Hannah Williger schrieb, “effektiver alles speichern, was mir wichtig erscheint”.

neun gekachelte Fotografien in Orange und Rot, Nahaufnahmen von Knien und Händen.

Legende:

Fotos kurz vor seinem Tod 1997: Villigers Selbstdokumentation ist in Zeiten der Selbstdarstellung in den sozialen Medien aktueller denn je.

Nachlassfonds Hanna Villiger / Kunstmuseum Luzern

Shuppley glaubt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, seine Arbeit neu zu erfinden. “Sie spricht Themen an, die uns heute in der Gesellschaft sehr interessieren: das weibliche Körperbild. Eine Frau, die entscheidet, wie sie ihren Körper präsentieren möchte. Die Selbstermächtigung, sich selbst zu betrachten.”

Wüsste man nicht, wann die Fotoskulpturen von Hannah Williger entstanden sind, würde man sie für ein Werk unserer Zeit halten.

Ausstellungshinweis


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“Hannah Williger: Überrasche mich”

Eine Ausstellung im Susch Museum, kuratiert von Madeleine Schuppli und Yasmin Afschar. In Partnerschaft mit der Hannah Williger Estate Foundation.

Vom 4. Januar bis 2. Juli 2023.

SRF 1, Tagesschau, 3. Januar 2023, 19:30 Uhr

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