Dow und DAX im Minus: Börsen im Bann der Zinsängste


Marktbericht

Stand: 06.12.2022 10:14

Fehlende Impulse und Sorgen über den anhaltenden Zinsanstieg haben dem Aktienmarkt heute weitere Verluste beschert. Die Wall Street ist deutlich gesunken. Auch der DAX schloss tiefer.

Die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen der Notenbank sorgt weiterhin für negative Stimmung am Aktienmarkt. Nach einem ohnehin schon schwachen Wochenstart gibt es heute ohne frischen Schub keinen Schwung für einen neuen Anstieg. Beeindruckende US-Konjunkturdaten drückten gestern stark auf die Kurse – und schürten Ängste vor einem weiteren Zinsanstieg.

Der US-Aktienmarkt brach zusammen

Der Dow Jones beendete den Handel mit einem Minus von 1,03 Prozent bei 33.596 Punkten. Infolgedessen fiel der US-Hauptindex zum ersten Mal seit Oktober unter die 21-Tage-Linie, die ein beliebter kurzfristiger Trendindikator am Markt ist. Inzwischen liegt er auf dem niedrigsten Stand seit Mitte November. Andere Indizes fielen stark: Der marktweite S&P 500 verlor 1,44 Prozent und der technologielastige Nasdaq 100 etwa zwei Prozent.

Experten gehen davon aus, dass die Anleger im Hinblick auf die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank in den kommenden Wochen keine großen Risiken eingehen. Nachdem die Preise in den letzten Wochen relativ stabil waren, gibt es nun nichts, was den Markt kurzfristig nach oben treiben könnte, sagte Analyst Michael Hewson vom Brokerage CMC Markets UK. Deshalb nehmen Investoren Gewinne mit.

Das Meta steht hauptsächlich wegen schwacher Tech-Statistiken unter Druck

Der Aktienmarkt befinde sich in einer schwierigen Lage, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Anlageberater QC Partners. „Denn die US-Wirtschaft, die weiter wächst, könnte die Fed dazu drängen, die Zinsen erneut zu erhöhen und das Endergebnis nach oben zu treiben.“ Zu Beginn der Woche haben ein deutlicher Anstieg der Auftragseingänge in der US-Industrie und ein günstiger ISM-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor neue Spekulationen gedämpft, dass die Währungshüter die Geschwindigkeit und Intensität von Zinserhöhungen verringern könnten. der jüngsten Verlangsamung der Inflation.

Gute Konjunkturdaten erhöhen tendenziell den Spielraum, weitere Zinserhöhungen einzuleiten, ohne die Konjunktur zu gefährden. Laut Anlagestratege Mark Haefele von UBS Wealth Management werden die Nachrichten nun als etwas schlechte Nachrichten für Aktien und Obligationen interpretiert. Er zitierte auch die Schlussfolgerung, dass die Fed in absehbarer Zeit nicht mit der Lockerung der Geldpolitik beginnen werde.

Wirtschaftsupdate vom 06.12.2022

Bettina Seidl, HR, 6.12.2022 09:59

Aufgrund der dämpfenden Wirkung hoher Zinsen mussten Aktien von Tech-Giganten wie Apple, Alphabet, Netflix, Amazon und Tesla heute Verluste zwischen 1,44 und 3,03 Prozent hinnehmen. Das Papier des Social-Media-Giganten Meta fiel schwer. Sie verloren fast 6,8 Prozent. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge will die EU den Betreibern von Facebook und Instagram verbieten, die Einwilligung der Nutzer zu verlangen, um personalisierte Werbung zu erhalten.

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DAX-Anleger ziehen sich weiter zurück

Auch die EZB will offenbar an einer straffen Geldpolitik festhalten. Die Zentralbank werde die Zinsen mehrmals erhöhen müssen, obwohl die Inflation fast ihren Höhepunkt erreicht habe, sagte Chefökonom Philip Lane der Zeitung „Milano Finanza“. Auch der Chef der Zentralbank von Zypern, Constantinos Herodotou, ging von weiteren Erhöhungen aus, ebenso wie die Mitglieder des EZB-Vorstands in einem. Bloomberg– Stressige Ereignisse.

Am Frankfurter Aktienmarkt herrscht also weiterhin Zinssorgen. Der DAX schloss rund 0,7 Prozent tiefer bei 14.343 Punkten. Fortsetzung eines verhaltenen Vortages nach Erreichen eines weiteren Hochs seit Juni am Freitag bei 14.584 Punkten. Seit Mitte November hat der deutsche Leitindex diese Marke jedoch nicht überschritten. Dies kann ein Zeichen für eine sogenannte Konsolidierung sein – also eine Gegenbewegung nach einer Woche Aufschwung.

Die Auftragsbücher der Industrie füllen sich

Unterdessen erhielt die deutsche Industrie im Oktober wieder Aufträge. Die Auftragseingänge lagen laut Statistischem Bundesamt um 0,8 Prozent höher als im Vormonat. Volkswirte rechneten mit einem Anstieg, allerdings nur im Schnitt um 0,1 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium sprach von einer Stabilisierung des Auftrags. Während die Inlandsbestellungen im Monatsvergleich um 1,9 Prozent zurückgingen, stiegen die Auslandsbestellungen um 2,5 Prozent.

Der Ölpreis drehte wieder ins Negative

Auch Zinsen und Konjunkturängste belasten den Ölmarkt. Nach einem leichten Gewinn im frühen Handel drehte der Kurs im Laufe des Tages ins Negative. Ein Barrel (159 Liter) Nordseesorte Brent kostete am Nachmittag 80,19 Dollar. Das sind über $2,00 weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel US-Öl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 2,8 Prozent auf 74,81 Dollar.

In den vergangenen Handelstagen waren die Preisschwankungen am Ölmarkt stark. Marktbeobachter verweisen auf das umfangreiche Embargo der Europäischen Union für Rohöl aus Russland und den Preis für russisches Öl von 60 Dollar pro Barrel. Zudem hat die Corona-Politik der Regierung in China immer wieder für Preisbewegungen gesorgt.

FMC Aktie wegen Chefwechsel hinter dem DAX

Papiere aus den Bereichen Gesundheit und Medizintechnik sind heute die größten Verlierer am deutschen Aktienmarkt. Im DAX hat Fresenius Medical Care (FMC) einmal mehr Anleger verärgert, die bereits mit Personalentscheidungen gelitten haben. Nach nur zwei Monaten steht beim Dialyseunternehmen der nächste Führungswechsel an. Carla Kriwet trat von ihrem Amt als Vorsitzende und Vorstandsmitglied zurück. FMC verlor als DAX-Schlusslicht 3,7 Prozent. Besser schnitten Siemens Healthineers und Sartorius mit jeweils rund 3,2 Prozent Abschlag ab.

RWE geht gegen Gazprom vor

RWE hingegen legte als Tagessieger im DAX 1,5 Prozent zu. Das Papier reagiert auf Analystenkommentare. Wanda Serwinowska von der Credit Suisse erhöhte in einer Studie das Kursziel auf 50,50 Euro und bestätigte das Rating „outperform“. Gestern gab RWE zudem bekannt, dass nach Uniper auch ein Schiedsverfahren gegen den russischen Staatskonzern Gazprom eingeleitet wird. Hintergrund ist die Reduzierung und Einstellung russischer Gaslieferungen nach Deutschland im vergangenen Sommer.

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Porsche ersetzt Puma im DAX

Die Volkswagen-Tochter Porsche AG wird im Dezember in den DAX aufgenommen, wie die Deutsche Börse mitteilte. Aufgrund der Zugehörigkeit zum Automobilsegment wurde der Sportartikelhersteller Puma vom DAX in den MDAX zurückgestuft.

Puma verdrängt Varta aus dem MDAX

Mit dem Aufstieg von Porsche in den DAX gibt es auch Bewegungen in anderen Indizes. Puma ersetzte den Batteriehersteller Varta im MDAX, der in den Small-Cap-Index SDAX zurückgestuft wurde. Dadurch fiel der Online-Modehändler About You aus dem Index der kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Airbus verabschiedet sich von Auslieferungszielen

Airbus wird seine Auslieferungsziele in diesem Jahr nicht erreichen können. Das Unternehmen gab heute bekannt, dass sein Ziel, bis 2022 700 Flugzeuge auszuliefern, nicht mehr erreichbar ist. Die heutigen Flugzeughersteller halten den Motor für etwas niedrig. In den 12 Monaten bis Ende November lieferte das Unternehmen 565 Flugzeuge aus, davon 68 im November. Airbus musste sein ursprüngliches Ziel von 720 Triebwerken im Juli unter anderem wegen Problemen in der Lieferkette aufgeben. Airbus bestätigte jedoch seine Prognosen für das laufende Jahr für das bereinigte Betriebsergebnis (EBIT) und den freien Cashflow.

Apple verschiebt den Starttermin für autonome Fahrzeuge

Laut Insidern braucht Apple mehr Zeit für das mysteriöse Apple Car. Der Technologiekonzern habe den geplanten Starttermin um rund ein Jahr auf 2026 verschoben, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg Heute kennt er sich mit der Materie aus. Dieses Projekt verzögert sich seit Monaten, weil die Verantwortlichen des Konzerns akzeptieren mussten, dass das geplante Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale mit der aktuellen Technik nicht realisierbar ist. Daher ist nun ein weniger ambitioniertes Design mit Lenkrad und Pedalerie geplant.

Mercedes erhöht die Produktion für Elektroantriebe

Mercedes-Benz hat die Produktionskapazität für Elektroantriebe in seinem größten Komponentenwerk in Stuttgart-Untertürkheim auf eine Million Einheiten erhöht. Der Hochlauf zum Antrieb von Elektrofahrzeugen der Marke EQ solle 2024 beginnen, kündigte der Autobauer an und bestätigte damit einen Bericht der „Wirtschaftswoche“. Bis Ende des Jahrzehnts will Mercedes-Benz bei ausreichender Marktnachfrage sein gesamtes Angebot auf reine Elektroautos umstellen.

Pfizer und BioNTech verklagen Moderna

Der US-Pharmakonzern Pfizer und sein deutscher Partner BioNTech haben im Streit um konkurrierende Corona-Impfstoffe vor dem Bundesgericht Boston Klage gegen das US-Biotechunternehmen Moderna eingereicht. Es beantragt die Abweisung der anhängigen Klage von Moderna und die Erklärung, dass die Patente von Moderna ungültig sind und nicht verletzt werden.

Deutsche-Bank-Tochter DWS plant hohe Sonderdividende

Die Deutsche-Bank-Tochter DWS hat am Vorabend des Investor Day ihren mittelfristigen Dividendenplan bekannt gegeben. Ab 2025 sei eine Auszahlungsquote von rund 65 Prozent geplant, teilte das Unternehmen mit. Zum Vergleich: Für 2021 hat der Konzern 400 Millionen Euro oder zwei Euro je Aktie als Dividende ausgeschüttet und damit gut 64 Prozent des Jahresüberschusses für 2021. 2024 soll zudem eine Sonderdividendenausschüttung von bis zu einer Milliarde Euro vorgeschlagen werden . Die DWS-Aktie legte im nachbörslichen Handel um rund zwei Prozent zu.

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Evonik-Chef Kullmann warnt vor einem langen Konjunktureinbruch

Der Chef des Chemiekonzerns Evonik rechnet wegen der schwierigen und teuren Gasversorgung Deutschlands infolge des Krieges zwischen Russland und der Ukraine mit großen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Deshalb will Christian Kullmann im Essener MDAX-Konzern nicht kürzer treten. Die Maßnahme soll die Beschäftigung in Krisenzeiten sichern. „Bei Evonik wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben“, sagte der Manager im Gespräch mit der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ).

Talanx hat sich höhere Gewinnziele gesetzt

Der Versicherungskonzern Talanx will seinen Jahresüberschuss in den nächsten drei Jahren um mehr als ein Viertel steigern. Das neue Ziel für 2025 ist ein Gewinn von rund 1,6 Milliarden Euro, wie das Unternehmen MDAX heute Morgen mitteilte. Talanx peilt für das laufende Jahr 1,05 bis 1,15 Mrd. Euro an. Insbesondere in der Industrieversicherung rechnet der Konzern mit guten Geschäften.

Gerresheimer setzte sich durch

Nach etwas enttäuschenden Gewinnaussichten haben Gerresheimer Investoren heute zugeschlagen. Mit einem Minus von 7,5 Prozent fiel das Papier unter den MDAX und beendete eine wochenlange Rally. Von Ende September bis Anfang dieses Monats legte die Aktie des Spezialverpackungsherstellers um 57 Prozent zu. Im aktuellen Umfeld steigender Zinsen sollte es für Gerresheimer im gerade begonnenen Geschäftsjahr zunächst zu einer Wachstumsdelle beim bereinigten Ergebnis je Aktie kommen.

Eckert & Ziegler weist auf Überangebot hin

Beeinflusst durch die Platzierung institutioneller Investoren sind die Aktien von Eckert & Ziegler im Kleinkapitalindex SDAX heute um 13 Prozent gefallen. Investoren bieten nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg bis zu 1,1 Millionen Aktien zu einem Preis von 47 Euro. Nach Angaben des Unternehmens befinden sich derzeit 11,8 Millionen Papiere im freien Handel. Zuletzt lag das Minus bei 11,4 Prozent.

Rolls-Royce profitierte von einem Großauftrag

Die Aussicht auf einen Großauftrag aus den USA hat den Aktienkurs von Rolls-Royce an der Londoner Börse auf den höchsten Stand seit Juli getrieben. Laut Jefferies-Analystin Chloe Lemarie dürfte Rolls-Royce von der Entscheidung der US-Armee profitieren, den Textron V-280 Valor einzusetzen. Rolls Royce liefert für jeden neuen Hubschrauber zwei AE 1107F-Triebwerke. Der Auftrag wird ein langfristiger Wachstumsimpuls für die Defence-Sparte des Konzerns sein.

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