Anti-Doping-Pionier: Provokant und kompromisslos: Werner Franke ist tot – Sport

Werner Franke ist im Alter von 82 Jahren gestorben. Foto: Christoph Soeder/dpa


Werner Franke war einer der deutschen Anti-Doping-Pioniere. Seit Jahrzehnten kämpft er tapfer gegen Sportbetrug. Heidelberger ist jetzt tot.

Frankfurt/Main – Anti-Doping-Pionier Werner Franke ist am Montagabend im Alter von 82 Jahren an einer Gehirnblutung gestorben. Das bestätigte Frankes Sohn Ulrich der Deutschen Presse-Agentur.

Mit einer furchtlosen und scharfen Zunge wie kein anderer kämpft Werner Franke seit Jahrzehnten gegen Doping. Der Zellbiologe aus Heidelberg war ein kompromissloser Ermittler von Sportbetrug in der ehemaligen DDR und nach dem Mauerfall im wiedervereinigten Deutschland. Er glaubte nicht alles, was er verurteilte. Das meiste, was er sagte, übertraf die Realität.

„Ich bin getrieben und werde es immer sein“, sagte er einmal und erklärte damit seinen unermüdlichen Wunsch nach Erleuchtung und seine unermüdliche Aggressivität. „Ich bin eindeutig ein Erzieher der Öffentlichkeit und ein Feind von Missbrauchern.“

Auch Lesen :  Quo vadis, SG? Flensburgs Handballer "auf dem Prüfstand" | NDR.de - Sport

Der weltberühmte Wissenschaftler und Forscher hat sich mehr als die Hälfte seines Lebens mit großer Erfahrung gegen Doper gewehrt. Bis zum Ende seines Lebens hatte er seine Draufgängermentalität nicht verloren. „Ich verachte den deutschen Sport noch immer“, sagte der gebürtige Paderborner anlässlich seines 80. Geburtstags.

Franke und seine Frau Brigitte Berendonck deckten systematisches Staatsdoping in der DDR auf. Nach dem Fall der Berliner Mauer fand er bei ihm an der Militärärztlichen Akademie in Bad Saarow geheime Dokumente. Erhaltene “Doping-Dokumente. Das 1991 erschienene Buch „From Research to Fraud“ sorgte weltweit für Aufsehen.



Auch als Reaktion auf das Buch, in dem viele der in der DDR am Doping beteiligten Sportler, Trainer und Funktionäre mit Namen, Dosierungen und Hinweisen genannt werden, hat Franke rund 100 Gerichtsverfahren bearbeitet. „Im Grunde haben alle gewonnen, und es war möglich, das öffentlich zu machen“, betonte er unermüdlich. Aber ihm sei auch klar: “Auch im Westen gab es ein System.”

Auch Lesen :  1. FC Magdeburg: Hirn-Power für die Rettung | Sport

So prangerte Franke die Dopinghilfe der Freiburger Sportmediziner von Radsportlern an und verklagte Jan Ulrich. Er behauptete, das ehemalige Radsport-Idol habe dem spanischen Arzt Eufemiano Fuentes illegale Dienste geleistet. Vier Jahre später gewann Franke den Prozess.

Er sprach sich weiter aus und kritisierte auch langjährige Mitarbeiter der Doping-Zero-Aid Association, deren Mitbegründer er war. Franke warf ihnen vor, die Opferzahlen zu übertreiben und unwissenschaftlich zu handeln. Auch Dopingkontrollen hielt er für ziemlich absurd, oder wie er es nannte, “Pillepalle”. Ob Welt-Anti-Doping-Agentur oder Nationale Agentur, sie waren ihm nicht unabhängig genug.

Dass in der DDR und später der Konsum von verbotenen Substanzen, wie zum Beispiel Anabolika, in den 2000er Jahren zurückging, schrieb Franke auch über sich selbst und seine Resistenz gegen Betrüger: “Stoffe, die dem Körper schaden, haben abgenommen.”

Auch Lesen :  Kalenderblatt 2022: 16. Dezember - Kultur & Unterhaltung

In diesem Sinne sei Doping milder, „damit es keine seltsamen Kreaturen mehr gibt“, worauf Brigitte Berendonck nach ihrer Teilnahme an den Olympischen Spielen 1968 aufmerksam machte. Als sie die tiefen Stimmen von Sportlerinnen und den ungewöhnlichen Haarwuchs bemerkte, fragte sie ihren Mann. “Und was tut die Wissenschaft dagegen?”

Doper hassten ihn, Beamte fürchteten ihn, doch in der Anti-Doping-Szene wurde sein tiefes Wissen geschätzt. “Ich habe nicht geschwiegen, es ist vergebens, man muss direkt proletarisch sprechen, um gehört zu werden.” Das war Frankes Glaube bis ins hohe Alter. Hinter der kraftvollen Rhetorik steckte auch ein brillanter Kopf, mit dem viele nicht mithalten konnten. „Ich bin transparenter, das muss nicht unbedingt schlauer sein“, fasste Franke einmal seinen langen Kampf gegen Doping zusammen. Es hat nun sein Ende erreicht.

Source

Leave a Reply

Your email address will not be published.

In Verbindung stehende Artikel

Back to top button