50 Jahre „Sesamstraße“ in Deutschland

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50 Jahre Sesamstraße
Am 8. Januar feiert die Deutsche Sesamstraße ihr 50-jähriges Bestehen. © Christian Charisius/dpa

Das Krümelmonster, Grobi und natürlich Ernie und Bert – mit ihnen sind Millionen Menschen in Deutschland aufgewachsen: Seit 50 Jahren gibt es die „Sesamstraße“.

Hamburg – Ernie summt verträumt “Mein Hut hat drei Ecken” und schaut sich um. Plötzlich kommt ein mysteriöser Mann in einem Trenchcoat vorbei. “Hallo du!” flüstert er Ernie zu und sieht sich verschwörerisch um. Er fragt Ernie, ob er etwas kaufen möchte. “Was verkaufst du?” Ernie antwortet fröhlich, und der mysteriöse Verkäufer öffnet seinen Mantel und zeigt ihm eine Acht und flüstert “Psst!” und “Genau!” wieder und wieder. “Warum sollte ich eine Acht kaufen?” denkt Ernie, aber der Mann gibt nicht auf: Dann weiß er immer, wie viele Arme ein Oktopus hat, wenn es Frühstück gibt, wie viele Ruderer eine Acht hat.

Millionen von Menschen, die seit den 1970er Jahren mit der Sesamstraße aufgewachsen sind, denken wahrscheinlich an diesen Clip und etliche andere – wie den albernen Grobi als Kellner, Kermit als rasenden Reporter oder das keksfressende Krümelmonster. Am 8. Januar feiert der Kinderfernsehklassiker in Deutschland seinen 50. Geburtstag.

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Zuvor im amerikanischen Fernsehen

“Das, das, das, warum, warum, warum?”: 18.30 Uhr war viele Jahre “Sesamstraßen”-Zeit. „Ich liebte die Sesamstraße und wartete jeden Abend auf meine gestreiften Popstars Ernie und Bert – vor dem Fernseher in ihren gestreiften Pyjamas. Was für ein anarchisches Glück im Fernsehen!“ erinnert sich Moderatorin Caren Miosga (53) an die Aufzeichnung der Jubiläumsshow.

50 Jahre Sesamstraße
„Daily Topics“-Moderatorin Caren Miosga mit „Ernie“ (r) und „Bert“ am „Sesamstraße“-Studioset. © Christian Charisius/dpa

“Sesame Street”, der Originaltitel, wurde erstmals am 10. November 1969 im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt. Die amerikanische Fernsehproduzentin Joan Ganz Cooney hatte die Idee, eine Sendung speziell für Kinder im Vorschulalter zu erstellen. Sie konnte den legendären Puppenspieler Jim Henson für die Show gewinnen. „Er hasste die Idee, ein Kinderstar zu sein, aber dann dachte er an seine eigenen Kinder und sagte ja“, erinnerte sich Cooney. Die neue Kindershow richtete sich an sozial benachteiligte Familien und spielte in einer fiktiven Straße mitten in New York, mit qualmenden Abflüssen und klappernden Mülleimern.

Elternproteste 1973

Als ab 1973 synchronisierte Originalfolgen in Deutschland ausgestrahlt wurden, beanstandete ein Bündnis aus Eltern, Lehrern und Forschern das Flair der amerikanischen Straßenszenen, die nichts mit der Lebenswelt deutscher Kinder gemein hatten. Am 2. Januar 1978 startete als Vorgeschichte eine „Deutsche Sesamstraße“, für deren Produktion der Norddeutsche Rundfunk (NDR) verantwortlich zeichnete. Neben einer neuen Kulisse gab es auch zwei neue Puppen: den leichtgläubigen Bären Samson („uiuiuiuiui“) und die lärmende Tiffy, die gemeinsam mit Schauspielstars wie Henning Venske, Liselotte Pulver, Uwe Friedrichsen und Horst Janson auftraten.

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50 Jahre Sesamstraße
Die Puppenspieler Martin Paas (v) und Carsten Haffke mit ihren Figuren „Ernie“ (v) und „Bert“. © Christian Charisius/dpa

– Die Wahrnehmung und Stärkung persönlicher Kompetenz, eine positive Wertevermittlung und ein direkter Bezug zu den Lebens- und Erlebniswelten von Vorschulkindern hierzulande seien seit 50 Jahren die Grundlage aller Sesamgate-Geschichten, sagt NDR-Redakteur Holger Hermesmeyer . Um das Angebot aktuell zu halten, hat der NDR die „Sesamgaten“ mehrfach weiterentwickelt. Beispiele sind die Serie „Eine Karotte für zwei“ mit Woll- und Pferdepuppen, sowie die Ernie & Bert-Songs mit Prominenten – von Herbert Grönemeyer über Helene Fischer bis Jan Delay.

Soziales und emotionales Lernen

Standen früher Zahlen und Buchstaben im Vordergrund, geht es heute mehr um soziales und emotionales Lernen. – Zentrale Fragen sind zum Beispiel: Wie gehe ich mit mir und meinen Mitmenschen um? Oder: Wer bin ich? Welche Gefühle habe ich?“ sagt Hermesmeyer. Auch Themen wie Natur- und Umweltschutz, Klimawandel, Ernährung, Vielfalt, Leben mit Behinderung oder Krankheit werden für die Zielgruppe der Drei- bis Sechsjährigen zielgruppengerecht aufbereitet. Als der NDR 2003 die Sendung von seinem traditionellen Vorabendprogramm ins Vormittagsprogramm verlegte, gab es einige Proteste.

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„Die Sesamstraße bringt einem die Grundlagen bei: Zählen, was ist weit, was ist nah, all diese Dinge“, erinnert sich Komiker Torsten Sträter. „Oskar aus der Tonne hat mir besonders gut gefallen. Ich habe ihn sehr geliebt, sagt der 56-Jährige. Schauspieler Meltem Kaptan lernte mit der Show mehr als nur die deutsche Sprache: „Die Sesamstraße war pädagogisch wertvoll und wir sollten als Migrantenkinder gutes Deutsch lernen“, erinnert sich der 42-Jährige. „Es war das Leben, das man sich als Migrantenkind gewünscht hat: Jeder ist bunt, jeder ist anders, aber es geht – alle leben zusammen, ohne sich zu streiten.“ dpa

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